Effi Briest: Motive

Wie sprich Innstetten Effi an, bzw. wie nennt er sie?

„Du bist ein entzückendes, liebes Geschöpf“ (61)

  • Innstetten spricht von Anni als „liebes Spielzeug“ (109)
  • Effi wird zur Frau (Zusammenhang mit Crampas) (137)

„Du hast etwas Verführerisches“ (137)

Effis Sehnsucht/ Motiv der fremden Welt

Ich vergehe vor Langeweile (113)

Störche (115)

Effi am Meer (121)

Effis Sehnsucht (122) – Chinesengrab (weißer Stein in der Nachmittagssonne) (127)

Licht im Norden und in Hohen-Cremmen (131)

Rollo: wo’s ohne Rollo nicht gegangen wäre (133)

Ausritte ans Meer (142)

Motiv des Meeres (143)

Robbe (143) (Seejungfrau) (145)

Leichtsinn gegen Gesetzlichkeit (144)

Bojen, die schwimmen und tanzen (152)

Schaukel-Motiv (132)

Schaukelstuhl (136)

Effi schaukelt bei der Begrüßung von Crampas weiter (138)

Theater/Bühne

Terrasse (135f)

Entwicklung des Chinesen-Motivs

Kapitel 7

Es war als tanze man oben (58)

Johanna: „Wir haben uns daran gewöhnt“ (58)

Erklärung: Gardinen sind zu lang (58)

Innstetten schiebt die Kürzung der Gardinen auf die lange Bank (63)

Kapitel 9

Innstetten zu Bismarck

(auktorialer Einschub) Arme Effi (75)

· schwarzes Huhn (77)

· Weiße Frau (76)

· Ich bin so allein (79)

· Ich habe solche Sehnsucht (81)

· Ich habe solche Angst (81)

Romeo und Julia (82)

· Chinesentraum (83) lethargischer Schlaf (84)

Brief an die Mutter: Spukhaus (111)

Sehnsucht nach dem Chinesen (115)

Effi glaubt das Tanzen zu hören (165) (Element der Auflehnung)

Innstettens Behandlung der Chinesen-Thematik:

Immer wieder das alberne Zeug (85)

„würden wir dann in einem ziemlich komischen Licht dastehen“ (86)

Sinnestäuschung (87)

Spuk als Vorzug (88)

fast erstes Zerwürfnis (89)

Schneemann – Motiv

Effi bezeichnet Innstetten als Schneemann (74)

Schnee, der auf Effis Reisedecke fällt (92) (Zshg mit dem Chinesen)

Innstetten war lieb und gut, aber ein Lilebhaber war er nicht (114) (steht im GGs zu Giesh.)

Müde Zärtlichkeiten (die sich Effi gefallen ließ) (115)

Gedicht: Gottesmauer (169)

Gieshübler

Ich stehe und falle mit Gieshübler (75) (der einzige richtige Mensch hier) (75)

Wenn Gieshübler nicht gewesen wäre (113)

Einführung Gieshüblers Kapitel 8

Gieshüblers Gefühle (114)

Apotheker

Treibhausbesitzer (108)

Deutsch und spanisch

Verwachsen

Man traut ihm in religösen Dingen nicht (94)

Einladung zum Gesangsabend Marietta Trippelli (89)

Stoßen Sie an Gieshübler, sie sind der einzige vernünftige Mensch hier (131)

Gieshübler plant Theater (140) (alchimistischer Geheimkorrespondent) (141) Regie: Crampas

Gieshübler im Dienste zweier Herren (160)

Gieshübles Kutscher wird vom Pferdehuf verletzt. Mephisto-Motiv (74)

Charakterisierung der Trippelli (nennt Gieshübler „Onkel“)

Versenkungsprinzip des Sofas (100)

Verwechslung Gourmet und Gourmant (101)

Abründe (102)

Ritter Olaf

Das Gespenstische im Olaf (103)

Gespenst, das durch die Stube geht (104)

Brust und Lunge müssen immer frei sein (105)

Gefährdung in öffentlichen Auftritten (106) (Bezug zu Effist Theaterspiel)

Innstetten ordnet alles als „Komödie“ ein. (107)

Crampas (Charakterisierung)

Frühling (Anfang April) (116)

Damenmann (117)

Crampas kommt vom Meer

Todesart Crampas (139)

Einschätzung Innstettens durch Crampas (148ff) (Angstapparat aus Kalkül) (150)

Heine-Gedichte „Seegespenst“?

Entwicklung der Beziehung Effi – Crampas

Teuerste Effi (155)

König von Thule (158)

Crampas nimmt Effis Glas

Effi verwirrt und fast verlegen (159)

Effis Unruhe wegen Crampas (166)

Motiv des Wendentempels (167)

Effi spiegelt sich zum Teil in den Töchtern Rings (168)

Gedicht: „Gottesmauer“ (169)

Cora auf „Onkel Crampas“ Schoß (173)

Die Verführungsszene wird in das kultisch gefeierte Peußentum eingebettet (173ff)

Bedeutung der Richtungen links und rechts (176ff)

Auf der Fahrt: Meerjungfrau (176)

Naturkultultus (Aufklärung ironischerweise von Güldenklee aufgehoben)

Effi scheint in einer Zwischenwelt zu leben (176)

Motive: Meerwasser, Brandung, Sog

Alles geht unterirdisch vor sich

Versinken (178)

Sehnsucht nach der Gottesmauer, Furcht, Zauberbann

Gieshübler

Die Person des Apothekers Alonso Gieshübler spielt in Fontanes Effi Briest eine besondere Rolle. Er ist die einzige Figur, der es gelingt, eine persönliche Beziehung zu Effi nach deren
Ankunft in Kessin aufzubauen und deren Vertrauen zu gewinnen: „Ich steh und falle mit Gieshübler. Es klingt etwas komisch, aber er ist wirklich der Einzige, mit dem sich ein Wort reden lässt, der einzige richtige Mensch hier.“
(S.75 Z.55-8).

Gieshübler bringt Effi genau das entgegen, was ihr in ihrer Beziehung zu ihrem Mann, Landrat Instetten, fehlt: „Huldigung, Anregungen, kleine Aufmerksamkeiten.“ (S.115, Z.14-15.) Von dem Kollegen Instettens Wüllersdorf wird Gieshübler als „der liebenswürdigste Pucklige“ bezeichnet, den dieser je gesehen hat. (S.275, Z.3). Während Effi Gieshübler
als einen guten Freund schätzt und sich über seine Gesellschaft freut, da sie Abwechslung vom sonst eher tristen Leben in Kessin bedeutet, scheint der „kleine, schiefschultrige und fast schon so gut wie verwachsene Herr“ (S.67, Z.20-21) in Effi Freundin, Geliebte und Tochter zugleich zu sehen. So heißt es auf Seite 114 ab Zeile 4:

„[Gieshübler] hatte dann eine Plauderstunde mit der ihm so sympathischen jungen Frau, für die er alle schönen Liebesgefühle durch- und nebeneinander hatte, die des Vaters und Onkels, des Lehrers und Verehrers.“

Für Gieshübler ist auch seine zur Hälfte spanische Herkunft von Bedeutung, und Spanien spielt ja auch eine Rolle im Zusammenhang mit der Verführung Effis durch Crampas, wo die Motive Spanien und Meer, Ferne Verführung und Sehnsucht zusammenkommen.

Nicht zu vergessen: Gieshübler stellt auch die Verbindung zur Trippelli her und ist der Initiator des Theaterstückes, bei denen Crampas Regie führt und Effi die Hauptrolle spielt.

„Der Schritt vom Wege“


Effi Briest Heidelberger (Tübinger) Inszenierung

Märkischer Sand, Ostsee, alles aus Katzenstreum, aber überzeugend. Hier sonnen sich die Briests und auch Effi und ihr Schneemann, hier wird ihr Liebhaber mit einem Genickschuss getötet und wenn was stinkt, wird es verbuddelt. Mühsam arbeiten sich die Protagonisten aufeinander zu und schütteln sich eher den Sand aus den Schuhen und von den Füßen, als dass sie miteinander kommunizieren. Ach ja, es wird ja gar nicht kommuniziert, mindestens nicht verbal. Nur von hinten, aus dem Zuschauerrau führt der Erzähler durch die Handlung. Welch ein genialer Einfall des Erzählers, den Text auswendig zu lernen: Dadurch wird der großartige Fontanetext formelhafter und diese Formelhaftigkeit überträgt sich als Klischee auf die Spiegelung des Textes auf der Bühne: die moderne Version der Effi. Außerdem kann er so die
Geschehnisse auf der Bühne beeinflussen. Er ist Big Brother, der Aktionen initiieren, beschleunigen und sogar einfrieren lassen kann. Und Effi?
Sie lümmelt sich am Strand, natürlich weit weg von der Mama, denn die ist ja wohl ziemlich peinlich, folgt dem aktuellen Lustprinzip, indem sie mal kurz Innstetten als Schaukel benutzt und ihn dann heiratet, obwohl die Mama ihr das empfohlen hat, einfach weil sie ein mondänes Leben haben möchte.
Außerdem: Was wäre denn die Alternative? Es ist ja gar keine in Sicht und auch
nicht denkbar. Also macht sich Effi, die natürlich durchaus etwas anders ist
als alle anderen zur Durchsetzung ihres jugendlichen Freiheitsdrangs auf den
Weg durch die Institutionen. Sie berankt Innstetten, begnügt sich mit fiktionalen Romanzen im Bereich des Theaters, gebärt brav ein Mädchen und steigt dann aus, heimlich natürlich. Es gibt Briefe, die das belegen, sie will fliehen, alles hinter sich lassen, am Ende ist sie von allen verstoßen. Und wie das eben so ist, gerät bei dieser zerbrochenen Familie das Kind auf die schiefe Bahn, während der gehörnte Ehemann, nach seinem Mord ironischerweise viel
menschlicher, den Weg des beruflichen Erfolgs beschreitet. Die Eltern Effis besinnen
sich ihrer Menschlichkeit und geben ihrer verstoßenen Tochter, die nun nirgendwo mehr Fuß fassen kann, wenigstens Sterbehilfe.
Tja so ist das eben, wenn man nicht kaputt machen kann, was einen kaputt macht, vor allem wenn das, was einen kaputt macht, als Spuk erscheint und nicht greifbar ist. Für Effi ist der Drahtzieher nicht auszumachen, für den Zuschauer schon. Ach ja, Draht. Ein schönes Bild der sozialen Kälte, dargestellt durch das Drahtgerippe der zerfetzten Schirme und einer wird, obowhl unbrauchbar zum Schutz, von Innstetten hochgehalten, so wie er ja konservativerweise alles Bestehende hochhält, damit die Fassade stimmt.
Was hat Pol Pot mit Effi Briest zu tun? Und warum gießt Effi die Auswüchse der Killing Fields? Das ist wohl das provokativste Bild, vielleicht aber auch keine gewollte Assoziation, es ist wohl nur die Sehnsuch der Effi Briest nach ihrem Kind, vielleicht auch die Sehnsucht nach dem eigenen verlorenen Jugendtraum, dem sie vergeblich huldigt. Dennoch ist das ein
gewagtes Bild, denn über Christbaumkugeln zur Diskokugel der Imagination und
der Verführung bis zu abgerissenen Puppenköpfen, das ist ein weiter Weg, der,
wenn man ihn nicht nur ganz individuell auf Effi bezieht, wohl nur von profunden Kritikern der bürgerlichen Gesellschaft und Moral beschritten wird, die die wilhelminische Zeit als wegbereitend für den Faschismus in Deutschland sehen. Gehen die Bezüge im Stück auch noch weiter? Die vermummten Eltern als Terroristen, die planen, Effi in einer Verschwörung als Geisel zu nehmen? Oder die Aufnahme Effis in Hohen Cremmen als Versuch der Eltern, sich selbst aus ihrer unmenschlichen Zombiehaftigkeit zu befreien? Warum möchte Frau von Brief, oh pardon, Frau von Briest unbedingt ihren gesichtlosen Mann küssen? Schneemann küsst Schneemann. Wohl ein Versuch, die eigene Menschlichkeit wiederzuerlangen, ein egoistischer Akt der Nächstenliebe also. Arme Effi. Wenn das so ist, dann gibt es ja auch nicht einmal Sterbehilfe, sondern nur den einsamen Tod in eisiger Isolation.


Effi Briest Innstettens Behandlung des Chinesenmotivs

I. Innstetten ewähnt erstmals den Chinesen:
– Innstetten: ‘Auch einen Chinesen. Wie gut du
raten kannst. Es ist möglich, dass wir noch einen haben, aber jedenfalls haben
wir einen gehabt; jetzt ist er tot und auf einem kleinen eingegitterten Stück
Erde begraben, dicht neben dem Kirchhof. Wenn du nicht furchtsam bist, will ich
dir bei Gelegenheit mal sein Grab zeigen; es liegt zwischen den Dünen, bloß
Strandhafer drum rum und dann und wann ein paar Immortellen, und immer hört man
das Meer. Es ist sehr schön und sehr schauerlich.’ (S.49, Z.3-11)

Innstetten führt, sobald er mit Effi in Kessin ist, den Chinesen und den Spuk ein. Er verkehrt Effis schöne, phantastische Vorstellung vom Aparten in Tod und morbide Schauerlichkeit. Die Erwähnung des Chinesen scheint spontan und beiläufig.

II. Der Chinese am Stuhl:

– Innstetten selber schien von dem Bildchen überrascht
und versicherte, dass er es nicht wisse. ‘Das hat Christel angeklebt oder
Johanna. Spielerei. Du kannst sehen, es ist aus einer Fibel herausgeschnitten.’
(S.66, Z.26-29)

Innstetten scheint ehrlich überrascht. Johanna und Christel stecken hinter der Sache mit dem  Chinesenaufkleber.

III. Innstetten geht auf Effis
Angst vor dem Chinesen-Spuk nicht ein:

– Innstetten: ‘Unsinn, sag ich. Immer wieder das alberne Zeug; ich mag davon nichts
mehr hören.’ (S.85, Z.26f)

– Innstetten: ‘Ich habe keine Wahl, ich bin ein
Mann im Dienst, ich kann zum Fürsten oder auch zur Fürstin nicht sagen:
Durchlaucht, ich kann nicht kommen, meine Frau ist so allein, oder meine Frau
fürchtet sich. Wenn ich das sagte, würden wir in einem ziemlich komischen Licht
dastehen, ich gewiss, und du auch.’ (S.86, Z.14-19)

– Innstetten: ‘…Chinesen willst du sagen. Du
siehst, Effi, man kann das furchtbare Wort aussprechen, ohne dass er erscheint.
Was du da gesehen hast oder was da, wie du meinst, an deinem Bette
vorüberschlich, das war der kleine Chinese, den die Mädchen oben an die
Stuhllehne geklebt haben; ich wette, dass er einen blauen Rock an hatte und
einen ganz flachen Deckelhut mit einem blanken Kopf oben.’

Sie nickte.

Instetten: ‘Nun siehst du, Traum, Sinnestäuschung. Und dann wird dir
Johanna wohl gestern Abend was erzählt haben, von der Hochzeit hier oben…’
(S.87, Z.18-28)

Innstetten erwähnt hier wieder scheinbar unabsichtlich ein weiteres Detail der Chinesen-

Geschichte: die Hochzeit. Einerseits erträgt er Effis Furcht nicht, aber andererseits  provoziert
er gerade diese Furcht.

– Innstetten: ‘…Und dann, Effi, kann ich hier
nicht gut fort, auch wenn es möglich wäre, das Haus zu verkaufen oder einen
Tausch zu machen. Es ist damit ganz wie mit einer Absage nach Varzin hin. Ich
kann hier in der Stadt die Leute nicht sagen lassen, Landrat Innstetten
verkauft sein Haus, weil seine Frau den aufgeklebten kleinen Chinesen als Spuk
an ihrem Bette gesehen hat. Dann bin ich verloren, Effi. Von solcher
Lächerlichkeit kann man sich nie wieder erholen.’ (S.88, Z.2-9)

Innstetten versucht Effi, davon zu
überzeugen, dass sie mit ihrer Angst vor dem Chinesen-Spuk seine Karriere gefährdet.
Und die geht ihm über alles. Er will, dass Effi ihre Angst in der
Öffentlichkeit verbirgt. Die Anforderungen an Effi sind hoch.

– Innstetten: ‘Und dann bin ich überrascht,
solcher Furcht und Abneigung gerade bei dir zu begegnen, bei einer Briest. Das
ist ja, wie wenn du aus einem kleinen Bürgerhause stammtest. Spuk ist ein
Vorzug, wie Stammbaum und dergleichen, und ich kenne Familien, die sich ebenso
gern ihr Wappen nehmen ließen als ihre ‘weiße Frau’, die natürlich auch eine
schwarze sein kann.’ (S.88, Z.18-24)

– Effi: ‘Und Innstetten, trotzdem ich ihm
schließlich in vielen Stücken zustimmte, hat sich dabei, so viel möchte ich
sagen dürfen, auch nicht ganz richtig benommen. Er verlangte von mir, ich solle
das alles als alten Weiberunsinn ansehen und darüber lachen, aber mit einemmal
schien er doch auch wieder selber daran zu glauben, und stellte mir zugleich
die sonderbare Zumutung, einen solchen Hausspuk als etwas Vornehmes und
Altadliges anzusehen.’ (S.112, Z.2-10)

Innstetten fordert von Effi einen
‘adligen Spukstolz’(S.89, Z.3)

IV. Die Geschichte des Chinesen:

Auf den Seiten 93-95 erzählt Innstetten Effi die Geschichte des Chinesen. Damit bewirkt er, dass Effi der Chinese wieder präsent wird. Er lässt aber noch Fragen zu der Geschichte offen
(die er vermutlich selber nicht beantworten kann), wie zum Beispiel, welche Rolle der Chinese eigentlich beim Verschwinden der Nichte Thomsons spielte und ob die beiden möglicherweise ein Liebespaar waren, sowie, warum der Chinese eigentlich gestorben ist. Diese offenen Fragen lassen Effi innerlich wieder keine Ruhe, andererseits spiegelt sich ihr eigenes Schicksal in der Geschichte wieder.

V. Innstettens Verhalten aus Crampas’ Sicht:

– Crampas: ‘Ja, wenn ich durchaus sprechen soll,
er denkt sich dabei, dass ein Mann, wie Landrat Baron Innstetten, der jeden Tag
Ministerialdirektor oder dergleichen werden kann (denn glauben Sie mir, er ist
hoch hinaus), dass ein Mann wie Baron Innstetten nicht in einem gewöhnlichen
Hause wohnen kann, nicht in einer solchen Kate, wie die landrätliche Wohnung,
ich bitte um Vergebung, gnädigste Frau, doch eigentlich ist. Da hilft er denn
dann nach. Ein Spukhaus ist nie was Gewöhnliches … Das ist das eine.’ (S.148,
Z.19-27)

Nach Crampas Meinung versucht Innstetten einerseits, das Haus durch den Spuk aufzuwerten und sich so selbst interessanter zu machen, besonders für seine Vorgesetzten, um so die
Wahrscheinlichkeit auf eine Beförderung zu erhöhen.

– Crampas: ‘Gut denn. Also Innstetten, meine
gnädigste Frau, hat außer seinem brennenden Verlangen, es koste, was es wolle,
ja, wenn es sein muss unter Heranziehung eines Spuks, seine Karriere zu machen,
noch eine zweite Passion: er operiert nämlich immer erzieherisch, ist der
geborene Pädagog, und hätte, links Basedow und rechts Pestalozzi (aber doch
kirchlicher als beide) eigentlich nach Schnepfenthal oder Bunzlau hingepasst.’
(S.149, Z.1-8)

– Crampas: ‘Eine junge Frau ist eine junge Frau, und ein Landrat ist ein Landrat. Er kutschiert oft im Kreise umher, und dann ist das Haus allein und unbewohnt. Aber solch ein Spuk ist wie ein Cherub mit dem Schwert…’ (S.149, Z.14-17)

– Effi (zu sich selbst): ‘Also Spuk aus Berechnung, Spuk, um dich in Ordnung zu halten.’ (S.150, Z.22f)

Andererseits bezeichnet Crampas Innstetten als Erzieher, der den Spuk nutzt, um Effi unter Kontrolle zu halten, welcher auch als ‘Angstapparat aus Kalkül’ (S.150, Z.7) bezeichnet wird.

VI. Der Chinese in Berlin:

– Instetten: ‘Gewiss glaub ich dran. Es gibt so
was. Nur an das, was wir in Kessin davon hatten, glaub ich nicht recht. Hat dir
denn Johanna schon ihren Chinesen gezeigt’’
Effi: ‘Welchen’’

Innstetten: ‘Nun, unsern. Sie hat ihn, eh sie unser altes Haus verließ,
oben von der Stuhllehne abgelöst und ihn ins Portemonnaie gelegt. Als ich mir
neulich ein Markstück bei ihr wechselte, hab ich ihn gesehen. Und sie hat es
mir auch verlegen bestätigt.’

Effi: ‘Ach, Geert, das hättest du mir nicht sagen sollen. Nun ist doch
wieder so was in unserem Hause.’ (S.233, Z.5-15)

– Innstetten: ‘Nun, tu was du willst. Aber sag es niemandem.’ (S.233, Z.23)

Nachdem sich Effi während der Beziehung mit Crampas von der Angst vor dem Chinesen-Spuk befreit hat, bringt Innstetten selbigen in Berlin wieder zur Sprache. Er gibt Effi eine rationale Erklärung für das Auftauchen des Chinesenbildchens, doch es beruhigt sie nicht.
Effi wird klar, dass sie den Chinesen nicht los wird, dessen Geschichte mit ihrem Schicksal so eng verbunden ist. Der Chinese erinnert sie immer an die Zeit in Kessin und vor allem an ihre Affäre mit Crampas.

VII. Konklusion:

Egal was Innstetten tut, es trägt immer dazu bei Effi einzuschränken und einzuschüchtern. Es kann sein, dass Innstetten tatsächlich versucht, Effi mit seiner rationalen, aber dennoch an
die Standesmoral gebundenen Art von ihrer kindlichen Angst zu befreien, aber es könnte genauso gut sein, dass er den Chinesen-Spuk so arrangiert, dass er Effi mit ein paar beiläufigen Bemerkungen in Angst und Schrecken versetzen kann, um sie unter Kontrolle zu halten.

C Ulrich Wüst

Effi Briest Das Schaukelmotiv

Hohen-Cremmen:

Detaillierte Beschreibung der Schaukel im ersten Kapitel: schiefe Balken; Nähe zum Wasser

Effis Vorliebe für das Fliegen und Schaukeln: Reiz der Gefahr und Hang zum Abenteuer

Standort der Schaukel: an der offenen Seite Hohen-Cremmens àVerbindung
zur Welt außerhalb

Kessin:

Erste Begegnung mit Crampas: Effi sitzt im Schaukelstuhl
àVerstrickung, Unglück

Ausritte mit Crampas: Pferd ersetzt Schaukelstuhl à auf und ab Bewegung als Schaukelmotiv

Schloon: Schritt vom Wege; Kutsche wackelt hin und her à SchaukelnàEhebruch:
Schaukelmotiv erreicht seinen Höhepunkt

Berlin:

Effi bleibt in Berlin und kehrt nicht nach Kessin zurück: Arzt Rummschüttel wird gerufen, um Effi zu untersuchen. Beim 4.Besuch empfängt Effi ihn im Schaukelstuhl sitzend, weil Innstetten in ein paar Tagen nach Berlin kommt und sie endgültig mit Kessin fertig ist

weitere Schaukelmotive gibt es in Berlin nicht àvollkommene Einbindung in die Gesellschaft, Effi ist die perfekte Frau Innstettens

Kur: Ems

Effi sitzt im Schaukelstuhl, als sie den Brief von ihren Eltern erhält, in dem sie Effi verstoßen

Effi fängt an, den Brief zu lesen und lehnt sich zurück; sie hört auf zu schaukeln àSchaukelmotiv wird schwächer

Hohen-Cremmen:

Spaziergang mit Pastor Niemeyer und Effi: Sie schaukelt und Niemeyer macht die Bemerkung, dass sie doch wie früher sei. Allerdings antwortet Effi: ‘Nein. Ich wollte es wäre so. Aber es liegt ganz zurück, und ich hab es nur noch einmal versuchen wollen […] mir war als flög ich in den Himmel.’ Schließlich stellt sie die Frage: ‘Ob ich wohl hineinkomme’’ Niemeyer küsst ihr die Hand und antwortet: ‘Ja, Effi, du
wirst.’ à letztes Schaukelmotiv, Effis Resignation, sie verliert ihren rebellischen Geist und fügt sich der gesellschaftlichen Ordung

© Nadine Riegler

Effi Briest Die Trippelli

  • Effi ist die Inkarnation der Kindfrau, die Anmut und eineNeigung zur Nonkonformität
    hat. (Konformität ist als Normalanfall anzusehen, während Nonkonformität die Ausnahme bezeichnet)
  • Eine Möglichkeit aus der Gesellschaft auszubrechenoder ein nonkonformes Leben zu führen, haben in der damaligen Gesellschaft nur die Künstler,
    zum Beispiel die Trippelli:
  • Sie erscheint zum erstenmal bei einem von Gieshübler arrangierten Musikabend.
  • Marietta Trippelli ist die Tochter von Pastor Trippel und kommt aus einem gut bürgerlichen Elternhaus. S. 95 Z. 21
  • Sie ist 30 Jahre alt, sieht stark männlich aus und hat Humor.
  • Sie hat sich durch eine Gesangsausbildung aus ihrer Schicht hinausentwickelt zu einer
    renommierten Opernsängerin. S.95 Z.
    30
  • Als Opernsängerin reist sie von Stadt zu Stadt. Sie hat somit keine feste Heimat und auch keine feste Beziehung.
  • Die Kessiner Gesellschaft tratscht und redet teilweise schlecht über sie. Auf der anderen Seite bewundern sie sie aber auch.
  • Für Effi ist die Trippelli wie ein Vorbild. Sie bewundert die Lebensform und die Sicherheit der Trippelli. S.102 Z.33 ‘ ‘während Effi von Text und Komposition wie benommen war.’
  • Effi muss erfahren, dass es für die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft keineMöglichkeit gibt, die  strengen gesellschaftlichen Normen zu überschreiten. Dies gilt auch für Effi. S.105 Z.5 – 21
  • Effi liebt das Aparte, was sie in der Trippelli wieder findet. Der Spuk ist für Effi etwas Apartes und die Trippelli holt den Spuk in die Realität und sagt, dass man sich vor der Realität fürchten muss. S. 103 Z.7 ‘ S.104 Z. 27
  • Auch Trippellis Vater Pastor Trippel hat etwas mit dem Chinesen zu tun. Er war im Gegensatz zu den Kessinern dafür, dass der Chinese auf einem christlichen Friedhof bestattet werden soll und machte sich so unbeliebt. S.95 Z. 2 -17
  • Insgesamt kann man sagen, dass das, was Effi an der Trippelli bewundert, als ständige
    Gefährdung in ihrem eigenen Leben wirkt.

© Lisa Wernz

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